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Informationen zur Katheterablation

Mittlerweile können fast alle tachykarden Arrhythmien mit einer Katheterablation sinnvoll und kurativ therapiert werden. Bei vielen Tachykardien stellt sie sogar die Therapie der Wahl dar und ist der medikamentösen Therapie überlegen. Dies trifft zum Beispiel für das WPW-Syndrom, die AV-Knoten-Reentry-Tachykardie und typisches Vorhofflattern zu. Aber auch bei Vorhofflimmern und ventrikulären Tachykardien ist die Katheterablation vor allem bei symptomatischen Patienten indiziert, auch weil medikamentöse Therapie- Strategien in der Regel langfristig nicht erfolgreich sind. Die Katheterablation wird in unserem Zentrum bereits im Kindesalter ab einem Körpergewicht von etwa 20 kg mit sehr hoher Erfolgs- und niedriger Komplikationsrate durchgeführt.

Wie wird eine Ablation durchgeführt?

Die Ablation mittels hochfrequentem Wechselstrom, dem sogenannten Radiofrequenzstrom (RF) ist das älteste und vielseitigste Verfahren. Dabei wird über die Katheterspitze RF-Strom abgegeben. Beim Durchfluss des Stromes durch die Zellen werden diese erhitzt, das Gewebe denaturiert und es entsteht eine Kolliquationsnekrose. Die Größe der Läsion entspricht je nach verwendeter Energie und Anpressdruck ca. vier bis  zwölf Millimeter Durchmesser, wobei die Tiefenausdehnung von zwei bis 14 Millimeter erheblich variieren kann.

Wichtig für die Sicherheit: Gespülte Katheter

Um eine Überhitzung der Katheterspitze bei der Verwendung höherer Energie zu vermeiden stehen sogenannte gespülte (gekühlte, „irrigated tip“) Katheter zur Verfügung, bei denen während der Stromabgabe die Katheterspitze durch 0,9% NaCl-Lösung, die durch kleine Löcher in der Elektrode gepumpt wird, gekühlt wird.
Solche Katheter werden vor allem dann eingesetzt, wenn eine Thrombusformation auf der Katheterspitze unbedingt vermieden werden muss (Ablationen im linken Herzen) oder wenn hochenergetische RF-Abgaben nötig sind (ventrikuläre Ablationsziele). Als alternative Energieformen zum Radiofrequenzstrom wurden in den letzten Jahren auch Laser-Energie, Mirkowelle und Ultraschall verwendet, am meisten Verbreitung hat die Cryo-Therapie, die Ablation über extreme Kälte, gefunden. Für Fälle, bei denen eine besonders schonende Ablation nötig ist, z.B. bei parahissärem WPW-Syndrom, steht uns im Deutschen Herzzentrum dieses Cryo-Verfahren zur Verfügung.

Weniger Strahlenbelastung: Dreidimensionale Mapping-Systeme verbessern die Erfolgsaussichten

Im Deutschen Herzzentrum stehen in allen drei elektrophysiologisch genutzten Katheterlaboren die neuesten Versionen von sogenannten 3D-Mappingsystemen (Carto3Uniview , NavX Precision und Rhythmia)  zur Verfügung. Sie werden vor allem bei allen komplexen Arrhythmien genutzt: Mit ihnen kann in wenigen Minuten eine detailgetreue 3D-Rekonstruktion der zu untersuchenden Herzhöhle mitsamt der Darstellung der elektrischen Erregungsabläufe angefertigt werden, im weiteren Verlauf können die intrakardial platzierten Katheter in Echtzeit in diesen Systemen dargestellt und manövriert werden. Dadurch konnten die Röntgen-Durchleuchtungszeiten für die Ablation z.B. von Vorhofflimmern dramatisch reduziert werden. Vielleicht noch wichtiger, es konnten auch die Erfolgsaussichten einer Ablation, gerade bei ventrikulären Tachykardien und Vorhofflimmern, erheblich verbessert werden. So gelingt die Anlage einer langen Ablationslinie mit diesen Systemen um ein Vielfaches effektiver und lückenloser und auch das „Zurückkehren“ an eine vormals aufgesuchte Stelle kann auf den Millimeter präzise durchgeführt werden.

Magnetische Katheternavigation: HighTech bei kongenitalen Vitien

Mit der magnetischen Katheternavigation (auch Stereotaxie oder remote navigation genannt) haben wir die Möglichkeit, mittels zwei sehr großer Standmagneten einen speziellen, sehr weichen Ablationskatheter im Herzen durch Magnetkraft von außen zu steuern. Die beiden Magnete werden auf Herzhöhe eng neben dem Patienten platziert und der Magnetfeld-Vektor kann von außen mittels Computersystem gesteuert werden. Die Katheterspitze richtet sich immer parallel zum Magnetfeld-Vektor aus und wird so an die Herzwand gezogen. Dieses System bietet vor allem bei komplexen angeborenen Herzfehlern mit schwierigem Zugang zu den jeweiligen Herzhöhlen immense Vorteile, da die Katheterspitze auch nach vielen „Kurven“ immer noch gut steuerbar ist. Wir setzten im Deutschen Herzzentrum München die magnetische Navigation bei Patienten mit komplexen kongenitalen Vitien ein und konnten dadurch den Erfolg der Katheterablation erheblich verbessern und gleichzeitig die Durchleuchtungszeiten erheblich reduzieren.